 |
Der erste Studentenkongress des Sozialwesens startete am 15. November 2008 in Köln unter dem Thema "Deine Zukunft im Sozialwesen". Zwei Tage lang tauschten sich Studierende aus ganz Deutschland über ihre Zukunftschancen im Sozialwesen aus. Auch Studierende aus den Nachbarländern kamen nach Köln.
Vier Studentinnen und Studenten der Katholischen Hochschule NRW aus der Kölner Abteilung, Ruby Arambankudi, Anne Ebbeler, Grace Krause und Felix Piepenbrock, organisierten ehrenamtlich und eigenverantwortlich den Studentenkongress. Er fand im Anschluss an den Berufskongress des DBSH statt und sollte eine Plattform für Studierende dieses komplexen und politisch nicht immer einfachen Berufes darstellen.
Das erste bundesweite Zusammenkommen von Studierenden wurde von den Organisatoren Ruby Arambankudi und Felix Piepenbrock eröffnet. Die beiden machten den Teilnehmern in ihrer Ansprache Mut auf einem Job im Sozialwesen. Schirmherrin Lale Akgün (MdB) bestätigte dies in ihren Grußworten:
 |
"Sozialarbeit ist für uns alle und für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft von größter Wichtigkeit, findet aber in der Öffentlichkeit zu wenig Anerkennung und wird als notwendiges Übel angesehen. Das muss sich ändern." |
Die SPD-Politikerin war von dem Studentenkongress sichtlich begeistert: "Ich bin beeindruckt, wie viel Engagement, Idealismus und Herzblut Sozialarbeiter und Sozialpädagogen für Ihren Beruf erbringen."
Zum ersten bundesweiten Studentenkongress der Sozialen Arbeit reisten über 200 Studierende aus 30 verschiedenen Hochschulen in die Domstadt, um neue Einblicke in die Realität Sozialer Arbeit in Deutschland zu erlangen und sich beruflich auszutauschen. Auch lange Anfahrten wurden von den angehenden Sozialarbeitern in Kauf genommen: "Wir sind morgens um halb fünf mit der Bahn losgefahren, um mit dabei zu sein", sagte eine Teilnehmerin. Julia Schneidt aus Köln pflichtete ihr bei: "Endlich gibt es eine Austausch-Plattform für uns Studierende"
 |
"Denken Sie immer daran, die Gesellschaft ist auf das Engagement Ihrer Berufsgruppe angewiesen. Ich sage Engagement, denn ich weiß aus eigener Erfahrung, wie viel Engagement, aber auch Idealismus für diese Berufe notwendig ist. Und ich war immer sehr beeindruckt zu sehen, wie viel Engagement von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Sozialarbeit auch nach langen und zehrenden Berufsjahren erbracht wurde. Beruf und Berufung liegen bei Ihnen eben sehr eng beieinander."
|
Mit diesen Worten setzte die Schirmherrin des Studentenkongresses, die Bundestagsabgeordnete Dr. Lale Akgün, den Grundton des Samstages, an dem es vor allem um das Selbstverständnis von Sozialarbeitern ging.
Mit den Worten "Nun bitte ich um einen Applaus für den Mann, der droht, wer ihn als Case-Manager bezeichne, verklage er wegen Verleumdung", kündigte Organisatorin Grace Krause Klaus Wörsdörfer, den Hauptredner der Eröffnungsveranstaltung, an. Dieser betrat danach sichtlich erheitert das Podium und bedankte sich für die Einladung nach Köln. Wörsdörfer hatte mit einem ZEIT-Dossier "Die verhinderten Retter vom Jugendamt" deutschlandweit für Aufmerksamkeit gesorgt, als er einem Journalisten ungeschönt von seiner Arbeit berichtete.
 |
"Ich habe die vielfältigen Probleme kennen gelernt und alle Ängste durchlebt, aber wie Sie sehen können: Ich lebe und streite mehr denn je für meine beruflichen und persönlichen Überzeugungen." Wörsdörfer weiter: "Und Sie können mir glauben, da gibt es viel zu streiten und zu kämpfen. Und da brauche ich Mitstreiter. Deswegen bin ich gekommen." |
In seiner bewegenden Rede "Weg mit Herz in harten Zeiten" berichtete er anhand seiner dreißigjährigen Erfahrung im gleichen Jugendamt von den Veränderungen, die sich in diesem Zeitraum im sozialen Bereich abspielten und wie sich wachsende Fallzahlen, Kinderarmut, die zunehmende Ökonomisierung sämtlicher Lebensbereiche und die zunehmende Infragestellung der solidarischen Aufgaben des Staates auf die Sozialarbeiter auswirken. Nach diesem teilweise erschütternden Einführungsvortrag nahmen die Teilnehmer des Kongresses an Diskussionsplattformen teil, in denen die vielfältigen Probleme, denen sich angehende Sozialarbeiter und Sozialpädagogen im Alltag gegenüber sehen, bearbeitet wurden: negative Schlagzeilen in der Presse wie "Kevin im Kühlschrank", Stellenabbau und Streichung von Geldern, und Geschichten von Sozialarbeitern, die nach ihrem Berufsleben selber Hilfe brauchen.

 |
"Als angehende Sozialarbeiterin höre ich von allen Seiten viel Kritisches über meinen Berufswunsch. Dass man als Sozialarbeiterin eh nichts verdient und die ganzen Sachen, die man macht, sowieso nichts bringen. Heute hatte ich die Gelegenheit, mal mit Anderen zu reden, denen es genau so geht. Zusammen haben wir ein Selbstverständnis entwickelt und für uns klar gemacht, dass es wichtig ist, sich gegen die Veränderungen, die unsere Gesellschaft weniger solidarisch und härter für die Schwächsten unter uns macht, zu wehren", sagte Ellen Robels, die im dritten Semester
|
Soziale Arbeit an der HAWK Holzminden studiert und extra für den Studentenkongress nach Köln gereist ist.
Am Abend erfreuten sich alle Teilnehmer und Referenten am "Kölschen Büffet" und ließen den Abend so belebt ausklingen wie er anfing.
Am Sonntag folgten Referenten die den TeilnehmerInnen bei der Beantwortung der wahrscheinlich drängendsten Frage aller Studenten halfen: "Wie soll es nach dem Studium weitergehen?" Bernhard Nink und Detlef Öffner von der Akademiker-Vermittlung der Bundesagentur für Arbeit gaben einen Überblick über die Arbeitsmarktlage von Sozialarbeitern und Sozialpädagogen in Deutschland. Es folgten Seminare in denen verschiedene, konkrete Optionen aufgezeigt wurden. Zu den Themen Master-Studiengänge, Weiterbildungen und Existenzgründung in der Sozialen Arbeit berieten qualifizierte Referenten die Teilnehmer des Kongresses.
Sven Blatt und Thomas Dörmbach von der KatHO NRW in Münster stellten den Masterstudiengang Sozialmanagement vor. Wilfried Nodes vom DBSH und Buchautor referierte über die Masterstudiengänge für die Soziale Arbeit. Cornelia Büsing vom Institut für Organisations- und Personalentwicklung sprach über ihren Weg in die Selbstständigkeit, Chancen und Risiken. Gerade die Einführung der Bachelor- und Master- Abschlüsse, die bisher für viel Verwirrung gesorgt hatten, wurden besprochen und auf Zukunftstauglichkeit geprüft.Darüber hinaus hatten die Teilnehmer das ganze Wochenende lang Zeit, sich in der Flyerbörse selbständig über ihre Zukunftsaussichten zu informieren. Hier fanden sie Info-Materialien von Hochschulen und Fortbildungszentren.
Am Sonntag endete der erste Studentenkongress "Soziale Arbeit" mit einer Schlussrunde, in der noch einmal die Ergebnisse zusammengefasst wurden und folgendes Fazit gezogen wurde: "Diese großartige Resonanz, die wir auf dem Kongress erhalten haben, hat uns teilweise überrascht, aber auch bestätigt, dass wir ein wichtiges Thema ausgewählt haben", so die Organisatoren.
Viel Bestätigung brachte auch die Evaluation des Kongresses zu Tage:
 |
"Der gesamte Studentenkongress wurde von den Studierenden mit "sehr gut" bewertet. Die meisten Studierenden haben das Gefühl, dass sie im Studium zwar fachlich ausgebildet werden, aber wenig über aktuelle Themen und Entwicklungen erfahren. Wir haben viel Feedback bekommen, dass sie hier Fragen stellen und diskutieren konnten, die im Studium oft viel zu kurz kommen“, so Anne Ebbeler.
|
Stimmen zum Kongress
"Danke für diesen gelungen Studentenkongress. Eure Engagement hat sich gelohnt. Durch diesen Kongress habt ihr es geschafft, die Soziale Arbeit als Profession auch nach außenhin zu legitimieren und endlich in einem innovativen Licht erscheinen zu lassen. Wenn auch deutlich wurde, dass man ohne gesunden Idealismus und Ausdauer in diesem Berufsfeld nicht weit kommt. Es ist gelungen erste Schritte zu einem neuen Selbstbewusstsein der Sozialen Arbeit zu bereiten, ohne die beruflichen Perspektiven zu illusionieren." Laura Weiden, Studentin
"Die Organisatoren des Studentenkongress haben viel Zeit und Arbeit investiert, um einen schönen und informativen Kongress auf die Beine zu stellen. Bei so viel Engagement mache ich mir wenig Sorgen um die Studenten in unserer Stadt." Dr. Lale Akgün, Mitglied des Bundestages
|
 |

 Klaus Wörsdörfer-Kaiser
Sozialarbeit: Weg mit Herz
in harten Zeiten
 Downloads: Masterstudiengänge
in Deutschland
 Link: Zeit-Dossier
 Bildergalerie
 Downloads: Masterstudiengänge in Deutschland
|